Weidemüller: Wem gehört unser Zuhause? Mehr Wohnraum in öffentliche Hand!

Der Hof Weidemüller in Ebsdorf prägt unser Dorfbild und mich zugleich. Er hat mich mit vielen Menschen verbunden, mich Geschichte erleben lassen. Als Kind kaufte ich in der Gaststätte Eis. Später habe ich hier neben dem Abitur mein Taschengeld aufgebessert und mein Studium finanziert. Mit der Kellnerin, bei der ich mein Eis früher gekauft habe.
Bis heute weiß ich, wer lieber Pils trinkt. Bei wem es Export sein darf, wer alkoholfreies Weizen nimmt und wer zu jedem dritten Getränk Kümmel trinkt. Grundsoße kochen gelernt habe ich bei meinem wunderbaren Chef und dass manche Menschen Kellnerinnen wie Dienstbotinnen behandeln. Während viele Menschen unglaublich freundlich, großzügig und entspannt sind, wenn man sie freundlich anlächelt und sich bei Fehlern höflich entschuldigt, statt Schuld von sich zu weisen. Gelernt habe ich auch, dass man an der Theke viel sieht und hört. Jeden Dorftratsch kennt man. Aber man hält den Mund. Kellnerische Schweigepflicht, sozusagen.
Geschichte des Hof Weidemüller in Ebsdorf
Bei Hochzeiten, Taufen und Trauerfeiern war ich dabei, beim Heringessen, bei Konfirmationen und den berüchtigten Wanderungen zwischen den Jahren. Später haben Geflüchtete hier einen ersten sicheren Wohnraum gefunden. All das passierte in der rechten Gebäudeseite mit dem Fachwerk und dem prägenden Türmchen. Dieser Teil ist in privatem Eigentum.
Auch die linke, gemauerte Gebäudeseite hat Geschichte. Als Kind ging ich hier zum Arzt. Später kaufte ich in denselben Räumen Blumen oder schloss Bausparverträge ab. Im hinteren Teil zog im Laufe der Zeit ein besonderer Verein ein. Es war der Heimat- und Verschönerungsverein Ebsdorf. Und der HVV hat Leben auf den Hof gebracht und viel Geschichte geschaffen.

Veranstaltungen mit Backhausbrot und Begegnungen, alte Fotos aus dem Ort, von meinem Elternhaus. Die Geschichte des Hauses meiner Großeltern. Wissenswertes über die Zwester-Ohm und Geschichten darüber, wie Wohnraum früher genutzt wurde, wieviele Menschen in einem Hof wohnten. Die Unterbringung von Geflüchteten nach dem Zweiten Weltkrieg fand direkt in den Wohnzimmern großer Häuser statt. Außerdem weiß ich nun, wie man Butter selbst macht. Der Blick auf den Ort bleibt einfach lebendig im Gedächtnis.
Hof Weidemüller kann Modellprojekt werden
Der Hof Weidemüller hat mich geprägt und sicher auch viele andere Menschen in Ebsdorf und darüber hinaus. Gleichzeitig prägt er unseren Ort. Deswegen war ich vor einigen Jahren schnell überzeugt, als Ehrenbürgermeister Andreas Schulz und der HVV ein Konzept auf den Tisch gebracht haben: Die Gemeinde und der HVV bilden eine gemeinnützige GmbH. Über diese kaufen sie den linken Gebäudeteil, den gemauerten. Die Gemeinde erhielt ihn unter Wert. Damit sichert sie dem HVV darin ein Zuhause für die Zukunft.
Der Wunsch der vorherigen Besitzerin spiegelt sich in der weiteren Planung. Niedrige Miete für den HVV, um hier weiter Geschichte und Kultur vermitteln zu können. Gleichzeitig stehen Geschäftsflächen, Wohnungen und weitere Ausbauflächen bereit. Hier könnten weitere Einnahmen über Mieten generiert werden, um das Gebäude zu unterhalten, auszubauen und den Kredit abzubezahlen.

Die Idee dahinter ist einfach. Die Gemeinde hat nach jahrzehntelangem Ringen mit dem Land dafür gesorgt, dass endlich die Ortsdurchfahrt von Ebsdorf saniert wurde. Bürgerhaus, Spielplatz, Musikergarten, Feuerwehrhaus bilden die Mitte des Dorfes. Warum also nicht das prägende Gebäude nebenan kaufen? So kann die Gemeinde weiterhin einen wesentlichen Einfluss auf die Attraktivität der neu gestalteten Mitte haben. Wir können die Zukunft in der eigenen Hand behalten. Wir können das Dorfleben stärken.
Warum ich finde, dass wichtige Gebäude stärker in öffentliche Hand gehören
Wenn wir über die Zukunft des Ebsdorfergrunds sprechen, reden wir viel über Baugebiete, Ortsentwicklung und die Frage, wie unsere Gemeinde in zehn oder zwanzig Jahren aussehen soll. Eine Frage kommt mir dabei manchmal zu kurz: Wem gehören eigentlich die Gebäude, die unseren Ort prägen? Und wer entscheidet darüber, was aus ihnen wird? Ein Beispiel, das mich dabei beschäftigt, ist eben der Hof Weidemüller in Ebsdorf. Genauso wie der ehemalige Schlecker in Dreihausen, den die Gemeinde ebenfalls gekauft hat – wodurch nun die Mitte dort wieder aufgewertet und ein Unternehmen in der Gemeinde gesichert werden kann.
Solche Gebäude sind mehr als nur Grundstücke und Mauern. Sie sind Teil unserer Ortsgeschichte, der persönlichen Erinnerungen vieler Menschen. Sie prägen das Bild unserer Dörfer. Mir stellt sich die Frage, wie wir mit solchen Immobilien umgehen wollen und welche Möglichkeiten es gibt, sie für die Zukunft unserer Gemeinde zu erhalten und zu nutzen. Ich finde: Wir sollten diese Frage nicht allein dem privaten Immobilienmarkt überlassen. Die Gemeinde und die Gemeinschaft gehören hier einbezogen.
Politik muss das Leben vor Ort besser machen
Natürlich braucht es private Vermieter und Investoren. Sie schaffen Wohnraum, investieren Geld und übernehmen Verantwortung für ihre Immobilien. Das ist grundsätzlich gut und wichtig. Und dazu gehört natürlich auch: Wer Wohnraum vermietet, möchte in aller Regel damit Geld verdienen. Das ist in unserer Wirtschaftsordnung völlig legitim. Wir sehen aber auch, dass Mieten seit einigen Jahren extrem immer weiter steigen. Nicht nur Neubauten, bei denen es durch hohe Baupreise und großzügige, moderne Wohnungen und Technik durchaus gerechtfertigt sein kann. Daran angelehnt steigen auch Mieten für alte Wohnungen mit hohen Nebenkosten immer weiter.
Es ist Aufgabe der Kommunalpolitik, das Leben der Menschen vor Ort zu verbessern. Dazu gehört auch bezahlbares Wohnen. Wir alle müssen uns ein gemütliches Zuhause schaffen können.
Aus meiner Sicht braucht es daher eine gute Durchmischung auf dem Wohnmarkt. Wir müssen erreichen, dass Wohneigentum für mehr Menschen wieder bezahlbarer wird. Klar ist aber auch, dass nicht alle Menschen gleich eine Wohnung oder ein Haus kaufen können – oder wollen. Deswegen braucht es auch Mietwohnungen – von privaten Investoren und aus der öffentlichen Hand. Denn: Wenn mehr Wohnungen in der öffentlichen Hand sind, dann können die Kommunen einerseits auch von Mieteinnahmen profitieren – und somit profitieren alle Menschen in der Gemeinde von der zusätzlichen Einnahmequelle. Andererseits haben die Kommunen dann auch einen stärkeren Einfluss darauf, dass Mieten bezahlbar bleiben und nicht immer weiter in die Höhe schießen.
Denn: Für eine Gemeinde zählt auch, ob Menschen vor Ort bleiben können, ob Familien passenden Wohnraum finden und ob ältere Menschen in ihrem vertrauten Umfeld wohnen bleiben können. Und wir müssen den Rahmen schaffen, in dem Dorfgemeinschaften wachsen und sich entfalten können. Es ist unsere Aufgabe als Kommunalpolitik, dazu beizutragen. Und wir können das vor Ort. Wir können vor Ort das Leben der Menschen besser machen – wir müssen nicht immer auf Berlin warten!
Wie das aus meiner Sicht gelingen kann? Das stelle ich in künftigen Beiträgen detaillierter vor. Aber bis dahin interessiert mich auch deine Meinung dazu! Stimm mit ab und lass einen Kommentar da!


